Es geht nicht um Fotos - es geht um Kinder
März 17th, 2009Author: Tim Cole
An Jörg Tauss’ Behauptung, er habe versucht, sich der Szene zu nähern, um sie besser bekämpfen zu können, wird immer häufiger Kritik geübt. Im Blog “WahrheitsEcke” schreibt Für die Verfolgung von Straftaten sind ausschließlich Polizei und Justiz zuständig. Wir kennen in Deutschland keine Selbstjustiz.”
Ich finde die Einstellung falsch, und zwar gleich aus mehreren Gründen:
Erstens gibt erstens die Verantwortung des mündigen Bürgers, die man nicht in alter Obrigkeitsstaatenmanier im nächsten Polizeirevier abgeben kann.Wer tatenlos wegschaut, wenn in der U-Bahn ein alter Mann verprügelt wird, macht sich moralisch und juristisch strafbar. Auch wenn es in Deutschland kein Samaritergesetz gibt wie in einigen US-Bundesstaaten: Jeder von uns ist gefordert, Kinderpornografie aktiv zu bekämpfen oder zu vereiteln. Und nicht nur sie, sondern jede Kriminalität.
Und zweitens es gibt die Pflicht des engagierten Volksvertreters, sich eine eigene Meinung zu dringenden gesellschaftlichen Problemen zu bilden. Ich halte die Information aus erster Hand gerade in diesem Fall für zwingend notwendig, weil der uninformierte Politiker schnell in populistische Gemeinplätze à la Familienministerin Ursula von der Layen verfällt, die offensichtlich von keiner Sachkompetenz getrübt das schon aus rein technischen Gründen sinnlose Sperren einschlägiger Websites fordert.
Wenn sie sich in der Szene auskennen würde, wüßte sie, dass die Päderasten bestens organisiert sind, also mühelos auf Ersatzsites ausweichen können. Und sie wüsste, dass es am Ende des Tages gar nicht um irgendwelche schweinischen Fotos geht - es geht um die Kinder selbst. Jeder Kripobeamte weiß, dass es in fast allen Fällen um die Vermittlung von Kinderprostitution geht. Die Foto-Angebote und Tauschbörsen sind nur das Vorfeld, in dem sich Anbieter und Kunde vorsichtig gegenseitig abtasten und kennenlernen.
Um darüber informiert und kompetent als Journalist berichten zu können oder als Politiker Entscheidungen vorbereiten zu können, muss man sich leider in diesen übelriechenden Sumpf hinabbegeben. Dass sich Jörg Tauss dazu herabgelassen hat, rechne ich ihm hoch an. Dass er jetzt hineingezogen wird, das war leider das Risiko, mit dem er jetzt leben muss.
Lieber Jörg,
danke für deine Stellungnahme vom 11.3.2009, ich glaube dir und wünsche dir von ganzem Herzen, dass die für dich wichtigen Menschen weiterhin zu dir halten. Ich hoffe auch, dass deine Bemühungen um Aufklärung und Bekämpfung der Kinderpornografie anerkannt werden.
Außerdem hast du einen guten Anwalt!
Liebe Grüße
Nicole Hirschmann
stv. Ortsvereinsvorsitzende SPD Asperg
Ich weiß nicht recht, wie ich das einordnen soll. Einerseits habe ich den Eindruck, dass Herr Tauss vertrauenswürdig ist, andererseits gibt es Indizien, die, sollten sie den Tatsachen entsprechen, für mich deutlich in die andere Richtung zeigen. Er ist sicher nicht d**f, musst sich darüber im Klaren sein, dass er in Teufels Küche kommt, wenn er entsprechendes Material bei sich aufbewahrt. Benötigt man solches Material zur Anschauung, um gegen Kinderpornografie einzutreten? Ist es nötig, Kontakt mit einem Versender solchen Materials zu haben, sich Sachen zuschicken zu lassen? Ist es in irgendeiner Weise Aufgabe von Herrn Tauss, in dieser Szene zu “ermitteln”? Die Anwort auf alle drei Fragen ist aus meiner Sicht: Nein. Und dann steht ja noch mehrere SMS im Raum, teilweise mit zustimmendem Kommentar. Sollten das Fakten sein, so sprechen sie gegen Herrn Tauss.
Ich kann den zweiten Punkt (eigene Meinung) nur sehr deutlich unterstützen. Es wird so viel Mist geschrieben, so viel mit Unterstellungen, Mutmaßungen und Vorurteilen gearbeitet in der ganzen Debatte, dass es um so wichtiger ist, dass diejenigen, die schließlich die Gesetze verabschieden sollen, sich ein eigenes Bild machen.
Bei vielen Politiker hat man jedoch im Gegenteil den Eindruck, dass der instinktive Wunsch, alles unter den Teppich zu kehren, direkt in die entsprechenden Gesetzesvorhaben mündet: Websites sperren, Links bestrafen. Dass das oft die falschen trifft und den richtigen kaum schadet (Sperrliste? Dass ich nicht lache.), wird in Kauf genommen um der Symbolwirkung willen.
Man kann Tauss vielleicht ein gewisses Maß an Dämlichkeit unterstellen, aber »Selbstjustiz« sicher nicht. Die Politiker sind von uns gewählt, damit sie Gesetze *machen*, und ich *erwarte* von ihnen, dass sie sich gründlich und wenn’s sein muss auch investigativ informieren.
Hallo,
gehts der Bundesuschi überhaupt noch um die Kinder? Ich unterstelle einfach mal, das die Art und Weise wie hier diskutiert und entschieden wird, genauso paranoid und shizophren ist, wie das was nach 9/11 losgetreten wurde. Nur findet diesmal die Veranstaltung in Deutschland statt und auf dem Rücken aller. Was erreicht UvdL mit ihrer Show.
Technisch ?
Nichts.
Jeder der halbwegs etwas von TCP/IP versteht, weiß was ich meine. Ein kleiner Bouncer und Shellaccounts sind in 20 Minuten eingerichtet. Oder die KiPos setzen sich ein VPN oder was auch immer auf.
Politisch?
Viel. Hier wird am großen Rad gedreht, Bei der Sperrliste fängt es an, mit der Zensur gehts weiter. Und wäre ich Zyniker würde ich mal behaupten, demnächst baut Uschi Guantanamo wieder auf. Frage, Mache ich mich strafbar, wenn ich mir Frau v d L mit Bärtchen vorstelle?
Menschlich?
Das was die tut ist Re-Pression und keine Prävention. Gerade die wäre hier nötig. Ich kann eine Bank knacken(Manager) und bekomme Bewährung. Wenn ich nun jemanden Verprügeln oder was auch immer ihm körperlich antue, dann muss sich das Opfer teilweise von der Justiz verhöhnen lassen und der Täter bekommt eine Therapie spendiert? Wo ist hier die Verhältnismäßigkeit. Auge um Auge? Zahn um Zahn?
Okay ich komme mal auf den Punkt.
Lieber Jörg und Liebe Unterstützer,
solange Jörg’s Schuld nicht sicher und belastbar belegt ist, gilt die Unschuldsvermutung. Wenn das hier nicht mehr möglich ist, weil es Mode ist andersdenkende nicht frei denken zu lassen, dann hat diese Demokratie ein echtes Problem. Dann ist sie keine mehr.
Jörg, hat in den letzten Jahrzehnten ausgezeichnete Arbeit geleistet, das was man von anderen Parlamentariern nicht eben behaupten kann.
Die SPD sollte sich mal langsam wieder mit Werten wie Solidarität und Leuten wie Rosa und Karl befassen.
Jörg verdient für geleistetes unseren Dank, für das was vor ihm liegt unsere Solidarität.
Die viel zitierte Unschuldsvermutung ist hinfällig: Herr Taus hat bereits zugegeben, sich rechtswidrig Kinderpornos beschafft zu haben. Strittig ist nur die Frage, ob er es aus beruflichen oder “privaten” Gründen tat.
Mit Demokratieproblemen hat es auch nichts zu tun, wenn jeder vernünftige Mensch sich fragt, wozu er das Material nach der Informations-Beschaffungsphase noch aufbewahrt hat. Offensichtlich ja nicht, um den wirklich beruflichen Ermittlern Hinweise zu geben. Das hat er nicht getan. Er hat das Material und den Verkäufer vielmehr für sich behalten und die DVD für seinen privaten Zugriff gelagert.
Herrn Taus’ Argument, wer sich mit Gesetzen gegen Kinderpornos beschäftige, müsse auch mal welche konsumieren, ist ungefähr genauso überzeugend wie wenn ein Politiker seine untreue Frau erschlägt und sagt “Ich sitze gerade über der Verschärfung des Strafrechts und wollte mich aus erster Hand informieren, wie ein Mord aussieht.”
Solidarität mit Herrn T. bedeutet Solidarität mit einem Käufer von Kinderpornographie - und mit einem sehr lächerlichen Verteidigungsargument. Das sollte man sich vielleicht vorher nochmal klar machen! Denn letztlich wird der Konsum von Kinderpornographie damit gerechtfertigt, wenn er denn “nur zu Informationszwecken dient”…